Private Moment (Arbeitstitel / working title);
Mumblecore; Doku–Fiction (in the making)

Private Moment sucht den Sehnsuchtsort im Schrebergarten.* 

Unser:e Hauptdarsteller:in, ein:e Schauspieler:in, und das Filmteam von Private Moment versuchen sich diesem artifiziellen Ort mit unterschiedlichsten Fragestellungen zu nähern. Der Schrebergarten wird Bühne, wird Protagonist, wird zum Versuchsfeld, an dem Fragen an unsere Gesellschaft adressiert werden: Wie kann eine Gesellschaft voller Unterschiede existieren? Was ist der Unterschied zwischen Empathie und Einfühlung? Hat das etwas mit Kollektivität zu tun oder ist es Etwas, an dem ich mich an mir selber ab arbeite? Was für eine Annahme habe ich eigentlich von meinen Nachbar:innen? Und was beeinflusst meine Annahme? Oder – Was sind nicht nur unsere Unterschiede, vielmehr: Was ist unser “kleinster gemeinsamer Nenner”? Das Filmteam filzt die Umgebung von A bis Z. Es feuert ein Arsenal an Fragen ab … und immer geht der Schuss daneben. Im Kleingarten werden somit auf engstem Raum Themen verhandelt, bei dem sich alle Beteiligten im Weg stehen.

Alles läuft immer anders, als jede:r Einzelne es sich gedacht hat – und was hatten sie nochmal gemeinsam? Ambiguitätstoleranz bezeichnet den Grad der Fähigkeit, mit der permanenten Widersprüchlichkeit von Vorstellung und Erleben umzugehen. Der Film begleitet ein:e Schauspieler:in auf der Suche nach den Werten des Gemeinsamen in einen Schrebergarten, wobei die eigenen Erwartungen und die des gesamten Teams auf die Probe gestellt werden.

Unser:e Hauptdarsteller:in hat dabei eine wichtige Funktion. Nicht nur, ist sie:er die Person, die die Zuschauer:innen an die Hand nimmt und unser:e Expert:in der Annäherung. Sie:er versucht sich unterschiedlicher und fluider “Lebensrealitäten” anzunähern. Gleichzeitig wird auch diese Praxis zu einer Fragestellung, die sich durch den Film zieht: Inwiefern ist Annäherung hilfreich um andere Perspektiven nachzuvollziehen und was ist der Unterschied zu Aneignung? Welche schauspielerischen Techniken und Tools kann ich für eine Gesellschaft nutzbar machen um andere Perspektiven zu verstehen? Der Perspektivwechsel bleibt eine Utopie und doch wagen wir den Versuch darüber in Dialog zu treten. 

Die:der professionell ausgebildete Schauspieler:in, so die These, kann dabei auf einen theoretischen und praktischen Erfahrungsschatz zurückgreifen, welcher nicht nur kognitiv und emotional begründet, sondern auch bewusster mit Hinsicht auf Körperlichkeiten ist. Unterschiedliche (Körper-)Haltungen und Wandelbarkeit treffen auf unterschiedliche Zu- und Einschreibungen: Die Gleichzeitigkeit der Körperlichkeiten aller anwesenden Menschen und der nicht-menschlichen Akteure (u.a. Schrebergarten und Filmequipment) suchen nach dem zärtlichsten Miteinander.

Dem Projekt Private Moment liegt ein längerer Interviewprozess als Recherche zu Grunde. Im Vorfeld wurden viele Interviews mit Schauspieler:innen unterschiedlichster Generationen geführt, um individuelle Techniken und Methoden des Schauspielens zu sammeln. Diese Interviews sind auch Grundlage für die Plotentwicklung des Films. Das Spielen ist ein Vorgang, der nicht ohne Experiment geschehen kann. Gleichzeitig erfordert Schauspielen und Darstellen, sich seiner eigenen Perspektive sicher zu sein, um sie dann zu verlassen und eine andere Position einzunehmen und diese überzeugend darzustellen.

Grundsätzlich fragt dieses Projekt also danach, welche Möglichkeiten und Methoden es gibt, um andere Perspektiven leichter zu akzeptieren, nachzuvollziehen und sogar zu verstehen, da es eben eine Vielzahl von Perspektiven gibt. Viele Perspektiven werden durchwandert, bis eine eigene definiert und formuliert wird, bis entschieden werden kann, welche Perspektive man selbst einnehmen will. All das sind Frage setzen dort an, wo Empathie und Imagination beginnt. 

*Schrebergärten haben Modellcharakter für gelebte Demokratie: Jede Parzelle ein anderer Sehnsuchtsort - dennoch einige klare Regeln, welche die Freiheit einschränken. Liegt die Solidarität im Einhalten oder die Ambiguitätstoleranz im Aushalten? Wenn die eine Hütte brennt, brennen die anderen auch? Wieviele Perspektiven gibt es darauf?

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Production / Director / Concept  : Lucie Friederike Mueller

Book / Concept: Stephanie Zurstegge / Lucie Friederike Mueller

Production Design: Wiebke Mueller

Camera: Bela Usabaev / Benjamin Weber

Sound : Jan Christian Heise

 

 

 

 

Das Projekt wird gefördert und unterstützt durch:

 

HessenFilm und Medien GmbH

Werkleitz Gesellschaft e. V.

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